Minelab - ein Pionier in der Multifrequenz-Technologie
Simultane Multifrequenz bei Metalldetektoren: Wie Minelab sie praxistauglich machte – und bis heute weiterentwickelt
1) Was bedeutet „Multifrequenz“?
- Einzelfrequenz (z. B. 10 kHz): eine Frequenz, ein Verhalten.
- Umschaltbare Frequenzen (z. B. 5 / 10 / 15 kHz): Man wählt eine davon – aber es läuft immer nur eine gleichzeitig.
- Simultane Multifrequenz: Mehrere Frequenzen laufen zur selben Zeit – und werden gemeinsam ausgewertet. Genau das meint Minelab mit „simultaneous multiple frequency“.
Simultane Multifrequenz
Multifrequenz (simultan) bedeutet, dass ein Metalldetektor mehrere Frequenzen gleichzeitig sendet und auswertet. Dadurch „sieht“ er Ziele aus mehreren Blickwinkeln: kleine oder niedrig leitfähige Funde (z. B. dünne Goldringe) und größere bzw. hoch leitfähige Funde (z. B. Silber) lassen sich oft besser und stabiler erkennen – auch in mineralisiertem Boden oder am Salzstrand. Simultane Multifrequenz vereint daher die Vorteile der unterschiedlichen Einzelfrequenzen.
2) Der Kern der Technik: Warum mehrere Frequenzen besser sein können
Jede Frequenz „beleuchtet“ ein Ziel ein wenig anders. Ein einzelner Messwert (Einzelfrequenz) ist wie ein Foto aus nur einem Blickwinkel. Simultane Multifrequenz liefert dagegen mehrere Blickwinkel gleichzeitig – und kann daraus verlässlichere Entscheidungen ableiten:
- Mehr Ziel-Informationen (Leitfähigkeit, Größe/Geometrie, Randbedingungen im Boden)
- Bessere Trennung von Ziel vs. Boden (Mineralisation, Salz)
- Stabilere Leitwert-/Target-ID bei Tiefe, weil die Auswertung nicht nur an einer Frequenz „hängt“
3) Entwicklung bei Minelab: Von BBS über FBS bis Multi-IQ und darüber hinaus
1991: BBS – Broad Band Spectrum (Sovereign)
Der Minelab Sovereign kam Januar 1991 auf den Markt und nutzte BBS. In der Dokumentation wird BBS als simultane Multifrequenz beschrieben – z. B. beim Sovereign Elite: „17 individuelle Frequenzen gleichzeitig“. Dies war ein Meilenstein weil BBS nicht „nur“ ein Umschalten war – es war ein System, das mehrere Frequenzen parallel einsetzt, um in wechselnden Böden konsistenter zu detektieren.
FBS / FBS 2 – Full Band Spectrum (Explorer → CTX 3030)
Aus BBS entwickelte Minelab FBS, später FBS 2. Minelab beschreibt FBS 2 so, dass es mehrere Frequenzen von 1,5 kHz bis 100 kHz überträgt. Ältere Minelab-Unterlagen nennen dabei z. B. beim Safari „28 Frequenzen“ über diesen Bereich. Diese breite Abdeckung hilft, Ziele mit sehr unterschiedlicher Signatur (z. B. Silbermünze vs. dünner Goldring) und schwierigen Boden in einem System zu vereinen.
Multi-IQ – die nächste große VLF-Generation (EQUINOX / VANQUISH)
Mit Multi-IQ brachte Minelab simultane Multifrequenz in eine neue Geräteklasse: schneller, leichter, „turn-on-and-go“ – ohne ständiges Frequenzwechseln. Minelab selbst beschreibt Multi-IQ als neue Fusion (nicht bloß BBS/FBS neu benannt) und betont höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit / schnellere Recovery gegenüber BBS/FBS.
Multi-IQ+ – mehr Power, breiterer Bereich, feinere Trennung (MANTICORE)
Mit Multi-IQ+ (u. a. im MANTICORE) geht Minelab noch einen Schritt weiter: laut Minelab wird mehr Leistung durch die Spule übertragen, über einen breiteren Frequenzbereich, plus überarbeitete Signalverarbeitung für bessere Trennung und höhere Target-ID-Auflösung.
Multi-Au – Hybrid-Ansatz für Gold (GOLD MONSTER 2000)
Spannend ist die Weiterentwicklung in Richtung Gold: Der GOLD MONSTER 2000 nutzt Multi-Au, das Minelab als simultane Multifrequenz beschreibt und zusätzlich eine „PI-ähnliche“ Bodenverarbeitung betont (ohne klassisch PI zu sein).
Das ist ein guter Hinweis, wohin die Reise geht: Spezialisierte Multi-Frequenz-Engines, optimiert für bestimmte Zielgruppen (hier: feines Naturgold in schwierigen Böden).
4) Vorteile gegenüber Einzelfrequenz (und warum man sie spürt)
Breiteres Zielspektrum ohne „Umrüsten“
Statt für kleine Ziele hochzugehen und für Tiefe/hohe Leiter runterzugehen, arbeitet simultane Multifrequenz „breitbandiger“ – besonders praktisch, wenn man nicht genau weiß, was im Boden liegt.
Stabilere IDs bei Tiefe und in wechselndem Boden
Minelab argumentiert, dass simultane Multifrequenz mehr Informationen liefert und dadurch Genauigkeit bei Diskrimination/Target-ID verbessert.
Besserer Umgang mit Salz & Mineralisation (Beach/All-Terrain)
Gerade am Strand sind Einzelfrequenzgeräte oft ein Kompromiss: Salz kann wie ein „Ziel“ wirken. Minelab hebt bei Multi-IQ explizit Vorteile in salzhaltigen Umgebungen hervor (Salzrauschen wird erkannt/anders behandelt).
5) Gibt es Nachteile? Ja – und genau deshalb sind Einstellungen wichtig
Störanfälligkeit (EMI) kann steigen
Mehr gleichzeitige Signalanteile können in starkem elektromagnetischem Umfeld auch mehr „Angriffsfläche“ bieten. Das ist nicht nur Theorie: In der EQUINOX 700/900 Anleitung steht sinngemäß, dass in hoch gestörten Umgebungen eine Einzelfrequenz mitunter weniger Rauschen aufnehmen kann als Multi-IQ.
Dafür gibt es Gegenmittel wie Noise Cancel – im CTX-Manual wird Noise Cancel ausdrücklich zum Reduzieren von EMI beschrieben.
Komplexität: „Mehr Technik“ heißt auch „mehr Stellschrauben“
Simultane Multifrequenz ist kein Zauberstab. Recovery Speed, Iron Bias, Sensitivity, Noise Cancel, Ground Balance (modellabhängig) entscheiden, ob man die Vorteile wirklich ausnutzt – oder sich mit falschen Einstellungen Leistung „wegdreht“.
6) Tipps für die Praxis
- Wenn’s ruhig ist (keine Störgeräusche): Multi laufen lassen – das liefert meist die beste Allround-Performance.
- Wenn Fehlgeräusche stören: zuerst Noise Cancel, dann Sensitivity leicht reduzieren.
- Wenn EMI extrem ist: testweise auf Einzelfrequenz wechseln. Verschiedene Einzelfrequenzen durchtesten.
- Strand & nasser Sand: Multi-Plattformen spielen hier häufig ihre Stärke aus, weil Salz/leitfähiger Boden besser „mitmodelliert“ werden kann.
7) Fazit: Warum Minelab zurecht als Pionier gilt
Minelab hat simultane Multifrequenz früh marktfähig gemacht – sichtbar ab dem Sovereign (1991) mit BBS, später über FBS/FBS 2 (bis 1,5–100 kHz) und schließlich mit Multi-IQ und Multi-IQ+ in moderne, schnelle Plattformen überführt.
Mit Multi-Au (GOLD MONSTER 2000) zeigt Minelab zudem, dass simultane Multifrequenz nicht stehen bleibt, sondern je nach Einsatzbereich (z. B. Gold) weiter spezialisiert werden kann.